Acht hannoversche Frauen aus der (Fridays) for Future-Bewegung zeigen sich

(Dieser Beitrag ist ebenfalls in der aktuellen Ausgabe des Magazins Stadtkind-Hannover veröffentlicht. Anlässlich des internationalen Frauentages veröffentliche ich sie auch hier.)

Fridays for Future – die von Schüler*innen initiierte Klimaschutz-Bewegung, die vor allem im Jahr 2019 für Furore sorgte und deren Demonstrationen sich bis zu vier Millionen Menschen weltweit anschlossen – hat sich trotz der Corona-Pandemie auch in Hannover nicht kleinkriegen lassen. Die international und national bekannten Gesichter der Bewegung wie beispielsweise Greta Thunberg oder Luisa Neubauer sind weiblich. Auf Fridays for Future Hannover und ihre Unterstützerorganisationen trifft dies ebenfalls zu.

In diesem Artikel stellen sich insgesamt acht Frauen aus Hannover vor, die sich innerhalb der „For Futures“-Bewegungen engagieren:

  • Marte Henningsen, Students for Future Hannover (23 Jahre),
  • Christine Höbermann, Leibniz Universität Hannover for Future (59),
  • Jennifer Browne, Psychologists for Future (52)
  • Zora Altensinger, Fridays for Future Hannover (16),
  • Bettina Wolpensinger, Scientists for Future Hannover (52),
  • Frauke Stockhorst, Parents for Future Hannover (52),
  • Ingrid  Grobrügge, Grandparents for Future Hannover (63)
  • sowie Johanna Gefäller, Co-Initiatorin des Bürgerbegehrens „Hannover erneuerbar“ (39).

Die Bekämpfung der Klimakrise und der Feminismus gehören zusammen

„Die Fridays for Future-Bewegung ist auch eine Klimagerechtigkeitsbewegung. Deswegen ist der internationale Frauentag ein wichtiger Tag für uns. Denn Klimagerechtigkeit und die Frauenbewegung sind eng miteinander verknüpft“, sagt Marte Henningsen von den Students for Future Hannover und belegt dies auch gleich mit einigen Fakten: „Von den Folgen des Klimawandels sind vermehrt Frauen betroffen. Zwei Beispiele: In Ländern des globalen Südens sind in erster Linie sie für die Wasserbeschaffung zuständig und müssen aufgrund der zunehmenden Dürre immer weitere Wege zurücklegen. Diese Zeit fehlt ihnen für Bildung oder eine Erwerbstätigkeit. Außerdem leiden vor allen Dingen Kinder und ältere Menschen unter den Auswirkungen der Klimakrise. Die damit zusammenhängende Carearbeit wird ebenfalls in erster Linie von Frauen übernommen. Ein weiterer Zeitfaktor. Diese Effekte bekommen wir aktuell während der Corona-Zeit sogar hier in der westlichen Welt mit; in den Ländern des globalen Südens sind die Auswirkungen noch eklatanter.“

Das will Marte, die Informatik im Bachelor studiert,  nicht einfach so stehen lassen und organisiert für die Students for Future Hannover gemeinsam mit Die Linke.SDS, dem Feministischen Rat Hannover und weiteren Organisationen für den 08.03. eine Fahrraddemo.

Zur Umsetzung ihrer Klimaschutz-Forderungen kooperieren die Students for Future auch mit einigen Beschäftigten der Leibniz Universität Hannover.

Die Pariser Klimaschutzziele gelten auch für die Leibniz Universität Hannover

Christine Höbermann (links)

„„Mit Wissen Zukunft gestalten“ ist ein Leitbild meines Arbeitgebers. Diesem Leitbild sollte er auch selbst gerecht werden und beispielsweise mit entsprechenden Klimaschutzmaßnahmen Voraussetzungen dafür schaffen, dass es in der Zukunft noch einen Gestaltungsspielraum gibt“, befindet Soziologin Christine Höbermann. die seit 2017 an der Leibniz-Universität (LUH) beschäftigt ist.

Sie ist Mitbegründerin der Initiativgruppe „LUH for Future“, zu der mittlerweile 200 Menschen zählen. Aktuell treibt die Initiativen insbesondere die drohende Schließung der Studiengänge des Instituts für Meteorologie und Klimatologie (IMUK) um. Mitte Dezember gab es dazu eine kraftvolle Kundgebung.

Engagement für einen tragbaren Lebensstil

Christine Höbermann engagiert sich außerdem bereits seit mehr als 20 Jahren in Ider Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung, in Hannover Initiative auf der Suche nach einem tragbaren Lebensstil). Sie findet:
„Substantielle Verbesserungen im „Niedriglohnsektor“ Bekleidungsindustrie könnten sich beispielhaft auf globale Schieflagen, u.a. in der Bewertung von Arbeit auswirken. Meiner Auffassung nach können Klimaschutz und menschenwürdige
Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten nur mit mehr Regulierung durchgesetzt werden. Dafür kann ein wirksames Lieferkettengesetz (Entwurf soll in dieser Legislaturperiode im Bundestag entschieden werden) ein erster Schritt sein. Slow Fashion sollte kreativer Ausdruck eines global gerechteren „Mindset“ sein.“

„Die Klimakrise ist auch eine psychologische Krise“    

Das Aufkommen der Fridays for Future-Bewegung rief auch die Berufsgruppe der Psycholog*innen auf den Plan. In Hannover gründete sich im Frühjahr 2019 eine Ortsgruppe der Psychologists for Future, deren Teil Jennifer Browne ist, die in Hildesheim eine psychotherapeutische Praxis betreibt. Jennifer Browne berichtet: „Meine Kolleg*innen und mich beschäftigt die Frage, welche Hebel es gibt, um den notwendigen Bewusstseinswandel zu fördern, damit wir Menschen die Existenz der Klimakatastrophe akzeptieren und bereit sind, unser Verhalten zu ändern. Ich denke, dass es noch zu wenig positive Vorstellungen bei den Menschen im Zusammenhang mit einem nachhaltigen Lebensstil gibt und dass dieser bisher vor allem mit Verzicht assoziiert wird. Dafür arbeiten wir u.a. an einer Buchreihe zur Klimakrise.“

Ingrid von den Grandparents: Im konsequenteren Schutze der Moore liegt ein großes Potenzial

Auch die ehemalige Lehrerin Ingrid Grobrügge wurde durch die Fridays for Future-Bewegung wachgerüttelt. „Gretas Protest hat mich enorm beeindruckt. Als ich in eine intensive Diskussion mit einem Leugner des Klimawandels verstrickt wurde und anschließend nach Argumenten recherchierte, wie ich in Zukunft besser argumentieren könnte, wurde mir klar, gegen welch große Macht die Schüler*innen ankämpfen müssen. Von da an musste ich auch auf die Straße gehen und sie unterstützen.“

Mittlerweile hat sich Ingrid den Moorschutz als einen ihrer Schwerpunkte auserkoren, denn ähnlich wie die Wälder nur in noch größerer Potenz können die Moore CO2-Ausstöße neutralisieren. Ingrid entschlossen: „Deutschland ist eines der Länder mit den größten Mooraufkommen überhaupt. Da ist es eine absolute Notwendigkeit, sich für ihre Wiedervernässung einzusetzen.“

Die ganze Familie für den Klimaschutz

Bettina Wolpensinger ist beschäftigt am Institut für Solarenergieforschung (ISFH) in Hameln und bereits seit Jahrzehnten aktivistisch unterwegs. „Vor allem Fukushima war ein Auslöser. Wir haben in Grohnde in Sichtweise des dortigen AKWs auf dem Campingplatz einen Wohnwagen stehen, das hat uns diese Bedrohung sehr deutlich vor Augen geführt. So waren wir auf unzähligen Anti-Atomkraft-Demos, später bei den TTIP-Protesten und auch zu Anti-Kohlekraft-Kundgebungen“, erzählt Bettina. „Als sich im Zuge der Fridays for Future auch die Parents for Future und Scientists for Future gründeten, war ich sofort mit dabei und froh, dass ich endlich nicht mehr allein bin mit meinem Engagement. Das gibt mir Hoffnung und Auftrieb.“

Bettinas Tochter Zora Altensinger war daher bereits als kleines Kind auf Demos unterwegs. Doch bis 2019 war Politik eher langweilig. Mit dem Erstarken der Fridays for Future-Bewegung stieg das Interesse, zumal Zoras Freundin Kaja die hannoversche Ortsgruppe Hannover im Januar 2019 mitgründete. „Ich war von Beginn an auf jeder Demo, doch im November 2019 half ich erstmals bei Plakatierungsaktionen und bin seitdem in der Ortsgruppe aktiv, vor allen Dingen in der Öffentlichkeitsarbeit“, berichtet Zora. Seit einem halben Jahr ist sie Pressesprecherin in Hannover. „Durch die Fridays lernen wir Eigenverantwortlichkeit. Ich kann mir keine bessere Schule vorstellen“, betont Zora.

Als Ausschlussmitglied die Klimaschutzpolitik der Region mitgestalten

Seit September 2020 ist die Biologin und Redakteurin Frauke Stockhorst an einer entscheidenden Schnittstelle für die Bewegung aktiv, denn Frauke ist als so genannte sachkundige Einwohnerin beratendes Mitglied des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz der Region Hannover (AUK) – ein Ergebnis des konsequenten Engagements der hannoverschen „For Futures“-Gruppen. Dadurch wurde die Regionsabgeordnete und klimaschutzpolitische Sprecherin der Grünen Ute Lamla auf Frauke und die Parents for Future Hannover aufmerksam und sorgte schließlich dafür, dass Frauke einen Platz als Vertreterin für die Fridays For Future Bewegung einen Platz als sachkundige Einwohnerin im AUK  bekam.

„Teil dieses Ausschusses zu sein, ist für die For Future-Bewegung immens wichtig. Dadurch dass wir während der Ausschuss-Sitzungen oft mit mehreren Menschen präsent sind und auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes aufmerksam machen, haben wir die Fraktionsvertreter*innen immer mehr für die Thematik sensibilisiert. Wo sich vorher Fronten auftaten, sind wir nun im Gespräch miteinander. Mit klarem Effekt: Im diesjährigen Haushalt sind für den Klimaschutz deutlich mehr Mittel eingestellt“, so Fraukes Einschätzung.

Bürgerbegehren „Hannover erneuerbar“ – Das Steinkohlekraftwerk Stöcken vorzeitig abschalten

Doch mit ihrer wohl bisher größten Initiative ist die hannoversche For Futures-Bewegung gemeinsam mit zahlreichen weiteren Umwelt- und Klimaschutzorganisationen Ende Januar 2021 nach monatelanger Recherche- und Vorbereitungszeit gestartet, dem Bürgerbegehren Hannover erneuerbar. Das Ziel: Das Steinkohlekraftwerk Stöcken, der größte CO2-Emittent der Stadt, soll bis zum Jahr 2026 vom Netz.

Eine der Hauptinitiator*innen des Bürger*innenbegehrens ist die Politologin Johanna Gefäller, die deutlich macht: “Wenn wir bis 2035 klimaneutral werden wollen, dann müssen wir insbesondere in den nächsten Jahren eine drastische Reduktion unserer Emissionen herbeiführen und dafür die größte Stellschraube nutzen, die wir zur Verfügung haben – die Umstellung unserer Energie- und Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien. Wir brauchen deshalb einen schnellen Kohleausstieg.“

Bis Ende Mai 2021 muss das Bürgerbegehren Hannover erneuerbar gut 20.000 Unterschriften beisammenhaben. Dafür setzt sich Johanna mit vielen weiteren Mitstreiter*innen – Frauen wie Männern – mit geballter Kraft ein.

Unterschriftenlisten für „Hannover erneuerbar“ können auf dieser Kampagnen-Website herunterladen werden. Dort gibt es auch weitere Infos zu den Modalitäten:
www.hannover-erneuerbar.de

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